STAATLICH GEPRÜFTE FERNAKADEMIE

Mit Bewegung durch bewegte Zeiten
Michael Janke, Dez 2022

 

„Wo wird’s hingehen, im kommenden Jahr?“, fragen sich derzeit wohl viele. Besorgt, beunruhigt, verunsichert. Manche gar panisch. Ausgelöst durch die Vielzahl der Krisen, die uns seit einiger Zeit heimsuchen und in Atem halten: Corona, der Ukraine-Krieg, die Energie- und Flüchtlingskrise, die Verteuerung des Lebens und die hohe Inflation, der Klimawandel, das Artensterben und der drohende Kollaps ökologischer Systeme, und, und, und.
Mittendrin in dieser Gemengelage stecken auch wir, Präventionstrainer. Als Teil der Gesellschaft und des Lebens, treffen uns die Umstände genauso wie alle anderen auch. Und auch wir müssen mit ihnen zurechtkommen. Beruflich wie privat. Zwar stirbt sie zuletzt, die Hoffnung, das schon alles gut werden wird. Wohl besser ist es aber, nicht nur darauf zu setzen und passiv abzuwarten, dass es sich schon richten wird. Das Ruder proaktiv selbst in die Hand zu nehmen und etwas zu unternehmen, ist die sinnvollere Alternative. Um in Form zu bleiben und den eigenen Weg zu wahren. Persönlich wie beruflich. Das ist es, was ansteht. Und dafür können wir euch einige gute Tipps an die Hand geben.

Versucht man das zentrale Merkmal dieser Tage begrifflich zu fassen, so fällt einem dazu nur ein Wort ein: Ungewissheit. Nichts ist sicher abschätzbar angesichts der aktuellen Krisen. Die nächsten Wochen nicht, die nächsten Monate auch nicht. Schon gar nicht die vor uns liegenden Jahre. Wir leben in einer hochkomplexen Welt, in der alles mit allem verbunden ist, in der Raum und Zeit keine Hindernisse mehr darstellen.

Ungewissheiten bewirken vor allem eines: Stress. Psychisch wie physisch. Ausgelöst durch das Gefühl, den Ereignissen mehr oder weniger hilflos ausgeliefert zu sein, die Geschehnisse nicht kontrollieren zu können. Kontrollverlust versetzt den Körper in einen Alarmzustand, welcher das Stresssystem auf den Plan ruft. Bestehend aus einer Kaskade neuronaler und biochemischer, immunologischer und molekularer Prozesse, mobilisiert es Ressourcen, die auf Auseinandersetzungen mit den Stressoren vorbereiten. Entsprechend fährt der Organismus seine Leistungssysteme hoch und stellt vermehrt auch Energie bereit. Um Verletzungen sofort begegnen zu können, wird ebenso das Immunsystem aktiviert und Entzündungsprozesse in Gang gesetzt.

All das soll den Körper in die Lage versetzen, Krisensituationen durch klärende Handlungen einzuhegen. Gelingt dies nicht und er verharrt für längere Zeit in erhöhter Dienstbereitschaft, nutzt sich der Organismus ab - im wahrsten Sinne des Wortes. Strukturen verschleißen und Substanzen brauchen sich auf. Der Organismus verliert an Kraft und Konstitution, das Immunsystem seine Wirkung und der Entzündungsstoffwechsel läuft aus dem Ruder. In der Folge nimmt die Abwehrfähigkeit gegenüber pathogenen Einwirkungen ab, Erkrankungen sind erwartbare Folge.

Was lässt sich also tun, gegen die Folgen der Ungewissheit? Wie lässt sich gesund bleiben, unter diesen Verhältnissen? Wie kann es gelingen, den Verstand klar und die Stimmung bei Laune zu halten?

Bottom Up-Strategie
So, wie es viele Wege nach Rom gibt, stehen uns auch mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, dem Stress die pathogene Kraft zu nehmen. Wir empfehlen dir heute die sogenannte Bottom Up-Strategie (SCHUBERT, 2015). Bei dieser gilt es, die Muskeln spielen zu lassen, um dem Stresszustand die Kraft zu nehmen. Ihr Einsatz setzt direkt an der Wurzel des „inneren Übels“ an. Denn Muskeln „verkonsumieren“ die durch die Stressreaktion mobilisierten Ressourcen. Wie ein Ofen verbrennen sie die bereitgestellten Brennstoffe, so dass sich das innere Milieu beruhigen und entspannen kann. Der Körper schöpft Atem und gewinnt an Lebenskraft zurück. Zumindest zeitweilig. Sich in Zeiten anhaltender Ungewissheit regelmäßig in Bewegung zu setzen, ist ein so einfaches wie sicheres Mittel, dem chronisch hochgefahrenen Stresssystem immer mal wieder den Stecker zu ziehen und dessen krankmachende Wirkung zu nehmen. Allerdings sollte hierbei nicht übertrieben werden. Eine zu große Verausgabung bewirkt nämlich das Gegenteil, sie stresst den Körper zusätzlich. Aus diesem Grund empfiehlt INGO FROBÖSE, Universitätsprofessor für Prävention und Rehabilitation an der Deutschen Sporthochschule Köln, das Belastungslevel so zu gestalten, dass man sich subjektiv unterfordert fühlt.

Auswirkungen
Neben den positiven Auswirkungen auf die physiologische und immunologische Körpersituation, gibt es auch Effekte auf Stimmungswerte und kognitive Gehirnfunktionen. Insbesondere ausdauernde Aktivitäten lösen neurochemische Veränderungen im Gehirn aus, die zu Stimmungsverbesserungen führen und gereizte Nerven beruhigen. Emotional ist man besser drauf und kann mit den bedrohlich wirkenden Unwägbarkeiten erheblich gelassener umgehen. Dies ist ein außerordentlich gewichtiger Aspekt, geben doch positive Emotionen den Drive, um in Krisenzeiten initiativ und auf Kurs zu bleiben. Zusätzlich zur positiven Energie, werden auch kognitive Funktionen durch die Tätigkeit unserer Muskeln angeregt. Das Gehirn denkt klarer, ist kreativer und kann sich besser konzentrieren, wenn der Körper regelmäßig in Bewegung kommt. Seit gut dreißig Jahren schon werden die neurophysiologischen Grundlagen erforscht, auf denen diese Phänomene beruhen. Extra dafür wurde von deutschen Wissenschaftlern die Bewegungs-Neurowissenschaft gegründet, eine aus verschiedenen Fachdisziplinen bestehende Forschungsrichtung (u.a. Hollmann et al. 2005). In Zeiten, in denen ein klarer Verstand dringend benötigt wird, um auf unvorhergesehene Herausforderungen mit kreativen Lösungsansätzen reagieren zu können, stellt die bewegungsbedingte Steigerung der Gehirnleistungsfähigkeit eine wunderbare Ressource dar, die sich so unglaublich einfach erschließen und nutzen lässt.

Mit Hilfe der „Bottom up-Strategie“ lassen sich also drei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die psycho-neuro-immunologische Situation verbessern, Stimmungslagen anheben und die Denkleistung des Gehirns ankurbeln. Also, setz dich in Bewegung, sei aktiv. Mache dabei das, wonach dir zumute ist und was dir am meisten gut tut. Nur überanstrengen solltest du dich dabei nicht. Willst du die genannten Effekte noch weiter steigern, dann bewege auch andere dazu, sich in Bewegung zu setzen. Damit diese die gleichen gesundheitlichen Wohltaten einfahren können, wie du auch. Denn das wissen wir ebenfalls: Tun wir anderen Gutes, so wirkt das positiv auf uns selbst zurück. „Geben macht glücklicher und ist gesünder als Nehmen“, lautet der Titel eines 2017 in der Fachzeitschrift Nervenheilkunde erschienen Artikels, geschrieben vom renommierten Leiter der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Dr. Dr. MANFRED SPITZER. In diesem fasst er die Forschungslage darüber zusammen, „...wie bedeutsam das Geben von Hilfe für den Gebenden (selbst) ist“. Demnach stärken uneigennützige Hilfeleistungen, die wir anderen zugutekommen lassen, unser eigenes Immunsystem. Gesundheitliche Parameter verbessern sich durch altruistisches Verhalten erheblich. Die Effekte sozialer Unterstützungsleistungen korrespondieren mit der besseren Gesundheit eines um 5 Jahre jüngeren Alters! Wer freiwillig anderen hilft, fühlt sich nicht nur gesünder, sondern ist es tatsächlich. Je mehr soziale Unterstützung jemand den Untersuchungen zufolge gibt, desto weniger Stress empfindet und  so mehr positive Emotionen hat dieser.

In diesem Sinne empfehlen wir dir: Bleibe in Bewegung, komme in Bewegung - in Zeiten multipler Ungewissheiten! Am besten mit anderen zusammen. Um dem Dauerstress die krankmachende Wirkung zu nehmen, deiner Gesundheit Flügel und deiner beruflichen Performance Schwung zu verleihen; in Fahrt und auf Kurs zu bleiben, durch den Nebel dieser Tage.

Mit den besten Wünschen für das neue Jahr – dein sporThera-Akademie-Team

 
 
 
 
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