STAATLICH GEPRÜFTE FERNAKADEMIE

Individualprävention vs. betriebliche Prävention
Jana Kinback, Dez 2022


Hast du dir schon einmal überlegt, Präventionsmaßnahmen auch in Be-trieben anzubieten? Und zwar: in großem Stil?
Rückenkurse, Betriebsyoga, Resilienztraining, Achtsamkeitstraining, Vorbereitungen auf Firmenläufe, bewegte Mittagspausen, Ergonomie-Schulungen, Ernährungsworkshops… Die Bandbreite ist immens!
Als zertifiziertem Präventionstrainer stehen dir zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, Unternehmen beim Aufbau der betrieblichen Gesund-heitsförderung (BGF) behilflich zu sein!
Dass gerade dies der beste Zeitpunkt ist, um sich zu strukturieren und bei den Unternehmen anzuklopfen, ist ganz klar! Anfang des Jahres werden in den meisten Firmen Budgets für diverse Unternehmensabteilungen und -vorhaben verteilt. Nun hast du die einmalige Gelegenheit, die Fir-men in deinem Einzugsgebiet für das Thema BGF zu sensibilisieren und für dich eine zusätzliche Einnahmequelle zu generieren! Wie du es am besten anstellst, erfährst du hier.

Lass uns zuerst mit ein paar Fakten beginnen. Laut Präventionsbericht 2021 der GKV und PV steigt das Interesse an BGF kontinuierlich. Zwar kommt das Jahr 2020 in der Grafik nicht ganz so gut weg, der Abschwung ist allerdings der Pande-mie geschuldet. Viele Firmen mussten schließen, Menschen durften sich nicht in Gruppen zusammenfinden, Gesundheitsangebote in Firmen waren leider tabu.

Quelle: Präventionsbericht der GKV und PV 2021


Dennoch kann man in den Jahren davor klar erkennen, dass der Gesundheitsge-danke in der Arbeitswelt stetig zunimmt. Dies hat zwei Gründe:

  1. Körperliche sowie mentale Überforderung in vielen Tätigkeitsfeldern ma-chen es notwendig, den Angestellten in anderen Bereichen Gutes zu tun und bei ihnen für Ausgleich zu sorgen.
  2. Durch den Fachkräftemangel in vielen Branchen möchten die Firmen at-traktive Arbeitsbedingungen gestalten, indem auch Gesundheitsangebote zum festen Bestandteil der Firmenphilosophie gehören. Dabei geht es nicht mehr nur um den Obstkorb in der Ecke oder einen Ruhe-Bereich. Nein, die Firmen müssen mehr bieten!


Nun liegt es in deiner Hand: Nutzt du den Gesundheitsgedanken der Betriebe dei-nes Arbeits- und Lebensumfeldes aus, oder nicht? Unser Tipp: Packe das Thema unbedingt an und verfolge dabei diese zwei Ziele:

  • Soziale Intention: Du hilfst dabei, die Gesundheit der berufstätigen Bevölke-rung zu stärken. Dies verschafft dir einen guten Namen im Bereich der (be-trieblichen) Prävention.
  • Wirtschaftliche Intention: Du generiert Zusatzaufträge (Up- und Cross-Selling), indem du die Teilnehmer der BGF-Maßnahmen dazu motivierst, auch deine klassischen Angebote zu buchen.


Gesetzliche Bestimmungen
In vielen Betrieben wurden bereits Fach-Abteilungen für BGF gebildet, welche händeringend nach „Umsetzern“ von qualitativ hochwertigen Präventionsangebo-ten suchen. Mit der Präventionsgesetzänderung im Jahr 2019, wurde nämlich fest-gelegt, dass Firmen nur dann steuerliche Vorteile für BGF geltend machen kön-nen, wenn die Durchführenden von BGF-Maßnahmen, nach §20 SGB V (also von der ZPP) zertifiziert sind. Das Gesetz spricht also eindeutig von dir. DU bist derje-nige, der deinen umgebenden Firmen beim Aufbau und Umsetzen von BGF helfen kann! Diejenigen Firmen, die einen BGF-Beauftragten haben (und somit die ge-setzliche Lage sicherlich kennen), werden dich mit offenen Armen empfangen. Die Firmen, die sich noch nicht wirklich mit dem Begriff BGF auseinandergesetzt ha-ben, werden dir mehr als dankbar sein, wenn du sie auf die Notwendigkeit der ZPP-Zertifizierung hinweist, denn sonst erleben sie bei der nächsten Steuerprü-fung unangenehme Überraschungen.

Wichtig für dich als Präventionstrainer, ist Folgendes zu wissen: BGF ist nicht gleich Präventionskurs!

Die Kosten einer BGF-Maßnahme werden nicht vom teilnehmenden Arbeitneh-mer getragen, sondern von der Firma bezahlt (du erhältst also dein Honorar nicht vom Teilnehmer, sondern von der beauftragten Firma). Das bedeutet, du stellst keine Bescheinigung für die Krankenkasse aus! Die BGM-Maßnahme schreibt zwar eine Zertifizierung durch die ZPP (§20 SGB V) vor, hat aber keinen Einfluss auf das Präventionsbudget des einzelnen Versicherten!

An dieser Stelle muss klar zwischen Individualprävention (§20a) und betrieblicher Prävention (§20b) unterschieden werden. Wenn der Arbeitgeber deine Rechnung zahlt, kann er für jeden seiner Angestellten bis zu 600 € im Jahr als Gesundheits-investition steuerlich geltend machen, ohne dafür Sozialnebenkosten zahlen zu müssen (§34 EstG).

Praxis-Beispiel 1:
Du hast einen Kursteilnehmer, dem du Bescheinigungen für die Krankenkassen ausstellst (Individualprävention, §20a). Er überzeugt seinen Chef, dich für BGF zu buchen. Mit dieser Empfehlung entwickelst du mit seinem Chef (oder dem BGF-Beauftragten) ein Angebot für alle Angestellten der Firma, das du entweder in den Räumlichkeiten der Firma durchführst, oder auch außerhalb, z.B. in den Räumen, in dem dein übliches Kursprogramm läuft. Dafür schreibst du Rechnungen dem Firmeninhaber (betriebliche Prävention, §20b), du stellst also keine Bescheini-gungen für die Krankenkassen aus.

Praxis-Beispiel 2:
Du wirst von einer Firma beauftragt, eine BGF-Maßnahme durchzuführen (be-triebliche Prävention, §20b). Diese gefällt den Teilnehmenden so gut, dass sie nach ihrem Ablauf (oder sogar schon währenddessen) zusätzlich einen Kurs bei dir bu-chen, der nichts mit der Firma zu tun hat. Die Vorteile, die sich daraus ergeben, stellen eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten dar:

  • Der Teilnehmer nutzt das Präventionsbudget seiner Krankenkasse und lässt sich die Kursgebühr zurückerstatten (Individualprävention, §20a).
  • Der Firmeninhaber erfreut sich über einen Mitarbeiter, der auch außerhalb der BGF-Maßnahme gesundheitlich aktiv ist und dadurch sehr wahrschein-lich seltener krank wird.
  • Du gewinnst einen neuen Teilnehmer, der ohne die anfängliche BGF-Maßnahme nicht auf dich aufmerksam geworden wäre.


In beiden Beispielen gilt das Gleiche:
Damit der Firmeninhaber deine Rechnungen steuerlich optimal absetzen kann (§34 EstG), ist es zwingend nötig, dass du in dem entsprechenden Handlungsfeld von der ZPP anerkannt bist. Wenn du beispielsweise Rückenkurse anbieten möch-test, musst du als Präventionstrainer für Bewegung anerkannt sein. Beim Durch-führen von Resilienztraining benötigst du die Anerkennung zum Präventionstrai-ner für Stressbewältigung. Für Abnehmkurse musst du als Präventionstrainer für Ernährung zertifiziert sein. Denn der Firmeninhaber wird von dir das entspre-chende Zertifikat sehen wollen, da er dieses mit deiner Rechnung ans Finanzamt weiterleitet.

Wie du siehst, deine Entscheidung, dich als Präventionstrainer ausbilden und von der ZPP zertifizieren zu lassen, ist Gold wert! Nutze die Feiertage dafür, um her-auszufinden, ob außer Individualprävention auch die betriebliche Prävention für dich in Frage kommt. Und wenn ja, strukturiere dich und gehe auf die Firmen dei-nes Einzugsgebietes zu. Es wird sich lohnen!

 
 
 
 
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