STAATLICH GEPRÜFTE FERNAKADEMIE

Testkonzept im Kursbereich

Jana Kinback, Sep 2022


Als Präventionstrainer im Kursbereich hast du mit unterschiedlichsten Gruppen zu tun. Du kümmerst dich um das Wohl von Menschen, die in einer Gruppe Gleichgesinnter trainieren, gleichwohl sie individuell sehr verschieden sind. Machst du deinen Job gut, bleiben dir viele Kursteilnehmer jahrelang treu. Und dennoch gibt es diejenigen, die nach einiger Zeit ihre Trainingsmatte verlassen. Hast du dich schon gefragt, wieso? An dieser Stelle schauen wir der Wahrheit ins Auge und gestehen mutig ein, dass einige Kursteilnehmer trotz kompetent geleiteter Übungsstunden keine positiven Auswirkungen auf die eigene Gesundheit verspüren. Wenn nach den ersten Trainingswochen keine Pfunde purzeln, der Blutzuckerwert nicht heruntergegangen ist oder der Muskelkater immer wieder zurückkehrt, haben wir bei vielen Trainierenden mit Motivationsverlust und damit verbundenen Kursabmeldungen zu tun. Und genau hier kannst du als Präventionstrainer ansetzen und gleichzeitig eine neue Einnahmequelle für dich generieren: Entwickle passend auf dein Angebot zugeschnittene Eingangs- und Re-Tests! Denn mit diesen kannst du deine Kursteilnehmer noch besser bei der Stange halten.

Das Problem ist, dass viele Kursteilnehmer ihre Erfolge am falschen Ende suchen. Denn nicht immer bedeuten zwei Kilogramm weniger auf der Waage, dass sinnvoll Fett reduziert wurde. Oder - es fällt einem Kursteilnehmer schwer nachzuvollziehen, eine Schmerzlinderung real erzielt zu haben, obwohl die betroffene Stelle weiterhin wehtut (zwar weniger als zu Beginn des Trainings, aber immerhin…). In der Folge solcher Erfahrungen und Empfindungen verliert der Kunde nicht selten das Vertrauen in seine Sportart. Denn er kann seine „tatsächlichen“ Erfolge nicht messen oder anderweitig überprüfen.
Nun bist du gefragt: Willst du deiner Klientel einen Zusatznutzen bieten, indem du ihr die Gelegenheit gibst, den eigenen IST-Zustand zu erfahren und den Trainingsfortschritt zu dokumentieren? Ja? Dann geben wir dir sehr gerne eine Schritt-für-Schritt Anleitung dafür 😊:

Überlege dir zunächst, wer deine Klienten sind. Unterrichtest du überwiegend Yoga? Pilates? Ausdauer- oder Krafttraining? Sind deine Teilnehmer kerngesund oder haben sie mit Risikofaktoren (Rheuma, Beckenbodenschwäche…) zu tun? Die Beantwortung dieser Fragen ist wichtig. Denn erst wenn du dir im Klaren bist, wer genau deine Klientel ist, kannst du genau auf sie zugeschnittenen Tests anbieten:

  • Beweglichkeitstests - Hiermit kann die Beweglichkeit jedes einzelnen Gelenks geprüft werden (siehe auch sporThera-Skript „Pathologie“). Bei den meisten Beweglichkeitstest benötigst du nur eine Liege, ein Messband und einen Winkelmesser.
  • Ausdauertests -Test auf einem Ergometer, Walking- oder Cooper-Test (siehe auch sporThera-Skript „Ausdauertraining“). Diese Tests sind für jedes Level geeignet und können je nach Sportart variieren.
  • Standard-Diagnose-Werte -Gewicht, Körperfett, Blutdruck, Ruhepuls…. Dies funktioniert ähnlich wie bei einem ärztlichen Check-Up und benötigt außer den entsprechenden Messgeräten nur noch einen separaten, ruhigen Raum.
  • Dehntests - Zum Beispiel nach JANDA. Ähnlich wie bei den Beweglichkeitstests benötigst du lediglich eine Liege, ein Messband und einen Winkelmesser.
  • Stressbewältigungsdiagnose - Zum Beispiel Selbstwirksamkeitserwartung, Big-Five-Test etc.. Solche psychologischen Tests benötigen Zeit für die Ausfüllung von Fragebögen und deren Auswertung (Siehe auch sporThera-Skript „Stress und Stressbewältigung“).

Selbstverständlich kannst du hierfür auch Kooperationen mit anderen Anbietern eingehen. Diese führen in deinem Auftrag entweder einen solchen Test mit deinen Kunden durch, oder du kannst deren Räume/Messgeräte entsprechend (mit)nutzen.

Als nächstes stellst du dir die Frage, auf welchem Markt du genau positioniert bist. Denn sprichst du deine Zielgruppe mit den richtigen Tests an, erweiterst du schnell deine Glaubwürdigkeit. Wenn du beispielsweise als Lauftrainer Gruppen für Halbmarathons vorbereitest, dann wird kaum jemand verstehen, wieso du ihn mit einem Rehabilitationstest für die Schulterbeweglichkeit testen willst. Als Gesundheitstrainer im Bereich orthopädischer Prävention/Rehabilitation kannst du dagegen deinen Wert mit einem solchen Test erheblich steigern.

Um nicht unnötig Geld auszugeben, vor allem nicht in einer möglichen Erprobungsphase deiner Tests, überprüfe erst einmal deinen „Lagerbestand“. Welche Ressourcen stehen dir schon jetzt zur Verfügung? Einige Test-Parameter lassen sich auf verschiedene Art und Weise erheben oder messen. Warum es kompliziert machen? Schaue zuerst einmal nach, was du schon hast und verwende dieses dann. Wenn du über eine Körperfettwaage verfügst, dann liegt es nah, diese auch einzusetzen. Wenn nicht, lass es mit der Körperfettanalyse sein und konzentriere dich auf die Taillen-Umfangsmessung mit einem einfachen Maßband. Du willst einen Ausdauertest anbieten, hast aber kein Fahrradergometer? Dann bestelle deinen Kunden auf eine Leichtathletikbahn in deinem Wohnort und führe mit ihm den Cooper-Test durch. Für diesen benötigst du lediglich eine Stoppuhr, die in deinem Handy integriert ist.

Im nächsten Schritt muss dein Messverfahren Hand und Fuß bekommen. Entwickle dein eigenes Test-Konzept. Schaffe Standards für deine Abläufe. Gibt es nur Eingangstests oder bietest du auch Re-Tests an? Wer wird wann, wo und von wem getestet/gemessen? Aus welchen Gründen und mit welchen Begründungen? Freiwillig oder als Pflicht? Kostenfrei oder kostenpflichtig?

Erstelle einen Diagnose-Bogen. Die Ergebnisse müssen dokumentiert und für dich als Trainer sowie auch individuell für den einzelnen Kursteilnehmer einsehbar sein. An dieser Stelle solltest du entscheiden, welche Vorgehensweise für deinen Kunden professionell genug wirkt: Wird der Diagnose-Bogen digital erstellt und als PDF an den Kunden geschickt? Oder machst du dir Blanko-Vorlagebögen, die du dem Teilnehmer in Papierform zukommen lässt? Wenn ja, füllst du alles doppelt aus oder machst du Kopien? Benötigst du einen Registerschrank? Wie handhabst du die Dokumentation datenschutzgemäß korrekt?

Wie du siehst, ein Testkonzept im Kursbereich kann nicht über Nacht entwickelt werden. Dahinter steht viel Planung, die sich aber lohnt – und zwar in zweierlei Hinsicht: Sowohl in Form von „Sofort-Cash“, weil die Teilnehmer für die Tests zahlen, aber auch als langfristig Früchte tragende Kundenbindungsmaßnahme.

 
 
 
 
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